Allen Unkenrufen zum Trotz

Artenschutz und Rohstoffabbau arbeiten erfolgreich zusammen

Wechselkröte - Foto: Monika Hachtel Artenschutz und die Gewinnung von Kies, Sand und Steinen, dass das gut zusammen passen kann, zeigt eine Initiative Biologischer Stationen, des NABU NRW und des Baustoffverbandes vero. Nun wurden die ersten „amphibienfreundlichen Betriebe“ ausgezeichnet.

29. Mai 2020 - Artenschutz und die Gewinnung von Kies, Sand und Steinen, dass das gut zusammen passen kann, zeigt eine Initiative Biologischer Stationen, des NABU Landesverbandes Nordrhein-Westfalen und des Baustoffverbandes vero.

Gegründet wurde die Initiative „Unterstützung der Abgrabungsamphibien in der Rohstoffgewinnung NRWs“ im Jahr 2017 mit dem Ziel, gesteinsabbauende Betriebe für ein freiwilliges Engagement im Amphibienschutz zu gewinnen. Ton-, Kies- oder auch Basaltabgrabungen können vielen selten gewordenen Fröschen, Kröten und Molchen wertvollen Lebensraum bieten, da sie Platz haben für viele verschiedene Gewässer, offene Flächen mit wenigen Pflanzen, Sand- und Kieshaufen und weitere ungestörte, wilde Ecken. Bei gutem Management und mit Beratung durch Natur-Experten lassen sich diese Biotope gezielt schützen, neu schaffen und erhalten.

Nach mehrjährigem Vorlauf werden jetzt die ersten Betriebe mit einer Plakette von den teilnehmenden Biologischen Stationen ausgezeichnet - sie dürfen sich „Amphibienfreundlicher Betrieb“ nennen.

Folgende Unternehmen erhielten die Plaketten:

Quarzwerke Frechen aus dem Rhein-Erft-Kreis

Tagebau Fischer Vernich aus dem Kreis Euskirchen

Kiesgrubenunternehmer Franz Limbach aus Troisdorf im Rhein-Sieg-Kreis

Sie engagieren sich auf ihren Betriebsflächen über ihre gesetzlichen Verpflichtungen hinaus für Wechselkröte und Co. Sie legen zusätzliche Laichgewässer an, schaffen ungestörte Rückzugsräume und Winterquartiere. Dieses Engagement soll mit der Plakette gewürdigt werden und Ansporn für weitere Unternehmer sein, sich zu beteiligen. Aufgrund der aktuellen Lage werden die Plaketten ohne einen gemeinsamen Außentermin verliehen.

„Lebensräume für bedrohte Amphibien können in vielen Rohstoff-Gewinnungsbetrieben mit wirklich wenig Aufwand hergestellt werden“, sagt die Biologin Britta Franzheim von den Quarzwerken Frechen. „Bagger und Radlader sind ja vor Ort. Mit etwas Rücksicht und Kenntnis der Biologie dieser Tiere kann man viel erreichen.“. Natürlich dürfe der Abbaubetrieb nicht darunter leiden. „Wichtig ist es, dass Unternehmer und Naturschützer im Gespräch vor Ort überlegen, was fachlich sinnvoll und betrieblich umsetzbar ist“, sagt der Biologe Peter Schmidt von der Biologischen Station Bonn / Rhein-Erft.

aelteres_wechselkroetengewaesser_foto-klaus-weddeling.jpg Wechselkrötengewässer - Foto: Klaus Weddeling

Wechselkrötengewässer - Foto: Klaus Weddeling

Dabei können beide Seiten voneinander profitieren. Denn ohne die laufenden Kies-, Sand-, Ton- und Gesteinsgewinnungen wären seltene Arten wie Gelbauchunke, Wechselkröte und Geburtshelferkröte bei uns vermutlich schon ausgestorben. Da für diese Arten der strenge Europäische Artenschutz gilt und die Tiere weder getötet noch deren Lebensräume zerstört werden dürfen, sind viele Unternehmen der Steine- und Erden-Industrie aber zurückhaltend, etwas für die Lurche zu tun. Sie befürchten, dass der Artenschutz ihren Betriebsablauf stört oder geplante Erweiterungen durch Auflagen verhindert. Hier gilt es, in vertrauensvoller Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden Wege zu finden, um beides sicherzustellen: einen kontinuierlichen Abbau sowie sinnvolle, zeitlich und räumlich flexible, wirksame Maßnahmen für die Amphibien.

Das NRW-Umweltministerium bewertet die Initiative durchweg positiv. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser freut sich: „Abgrabungen werden in der Öffentlichkeit häufig als zerstörerische Eingriffe in Natur- und Landschaft wahrgenommen. Doch in Wirklichkeit können gerade Kiesgruben und Steinbrüche bei guter Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Naturschutz wichtige Ersatzlebensräume für seltene Arten von Amphibien wie Gelbbauchunke und Laubfrosch, wärmeliebenden Reptilien wie Schlingnatter und Mauereidechse oder auch bestimmten Vogelarten wie Uferschwalbe, Flussregenpfeifer und Kiebitz bieten. Deswegen lohnt sich das gemeinsame Engagement und mit freiwilligen, gut abgestimmten Maßnahmen lässt sich allemal mehr erreichen als nur über Ordnungsrecht.“

Der NABU NRW ist überregionaler Partner der Kooperation: „Mit dieser Vereinbarung ist es beispielhaft gelungen zu zeigen, das unternehmerische Tätigkeit und aktiver Naturschutz keine Gegensätze sein müssen. Wir freuen uns, dass wir vor drei Jahren mit vero und den Biostationen den Grundstock legen konnten für dieses mittlerweile erfolgreiche Projekt zum Schutz stark gefährdeter heimischer Amphibien. Mit der Auszeichnung als „amphibienfreundlicher Betrieb“ wird dieses Engagement mittlerweile mehrerer Abbauunternehmen auch folgerichtig öffentlich gewürdigt“, so Dr. Heide Naderer, Vorsitzende des NABU NRW.

 

Weitere Informationen:

https://www.abgrabungsamphibien.de/
https://www.vero-baustoffe.de/der-verband/publikationen/12-abgrabungsamphibien/download

 

Ansprechpartner:

Biologische Station Bonn / Rhein-Erft
Peter Schmidt
Auf dem Dransdorfer Berg 76, 53121 Bonn
Tel.: 0228/249 579 9
p.schmidt@biostation-bonn-rheinerft.de

 

NABU Naturschutzstation Leverkusen - Köln e.V.
Elmar Schmidt
Friedrich-Ebert-Straße 49, 50996 Köln Rodenkirchen
Tel.: 0221 / 272581-69
elmar.schmidt@nabu-station-l-k.de

 

Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis e.V.
Klaus Weddeling
Robert-Rösgen-Platz 1, 53783 Eitorf
Tel.: 0152 / 098 287 67
weddeling@biostation-rhein-sieg.de

 

Biologische Station im Kreis Euskirchen e.V.
Julia Zehlius
Steinfelder Str. 10, 53947 Nettersheim
Tel.: 02486 / 95 07-17
j.zehlius@biostationeuskirchen.de


vero - Verband der Bau- und Rohstoffndustrie e.V.
David Tigges
Düsseldorfer Straße 50
47051 Duisburg
Tel:: 0203 / 99 23 9 -89
david.tigges@vero-baustoffe.de


NABU NRW, Landesgeschäftsstelle
Monika Hachtel
Völklinger Straße 7-9
40219 Düsseldorf
0211-15 92 51-0
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